Wie oft tut uns etwas weh und wir ignorieren es?
Wie sehr erlauben wir uns, einfach traurig zu sein?
Wie schnell schlucken wir es hinunter, wenn uns jemand verletzt? Oder gehen auf Angriff?


Was tun Sie, wenn Ihnen körperlich etwas weh tut? Reagieren Sie eher genervt oder widmen Sie sich diesen Schmerzen, in welcher Weise auch immer?
Sind Sie in der glücklichen Lage, nur selten mit körperlichen Beschwerden konfrontiert zu sein oder gehören solche für Sie zum Alltag?
Was hilft Ihnen?

Wie gehen Sie mit anderen Verletzungen um? Wenn Sie etwas kränkt, ärgert oder Sie Sehnsucht haben – z.B. nach Sich-Mitteilen, Verstanden-Werden, Nähe?
Was tun Sie dann? Können Sie darüber reden, werden Sie kreativ oder müssen Sie einfach schlafen?

Wohin mit dem Schmerz?

Meistens weichen wir lieber aus. Oder?

Sich mit Schmerz auseinandersetzen scheint uns oft zu zeitaufwendig, wir „wissen eh woran's liegt, aber das können wir halt grad nicht ändern“ oder wir haben keine Idee wo wir anfangen sollen, an wen wir uns wenden könnten. Mal abgesehen davon: das, was weh tut, will man lieber nicht spüren!

Nur, meistens vergeht der Schmerz halt leider nicht, wenn wir ihn einfach verdrängen. Schmerzende Bereiche oder Themen drängen sich immer wieder ins Bewusstsein - bis wir uns damit beschäftigen. Viele Menschen ignorieren die täglichen oder regelmäßigen „Wehwehchen“ oder Warnsignale und „brauchen“ einen Hexenschuss, einen Herzinfarkt oder eine totale Erschöpfung - wo der Körper „Halt“ sagt zu den Grenzüberschreitungen, zur Ignoranz, zur fehlenden Aufmerksamkeit -, um aufzuwachen. Und manche tun dies leider nicht mal dann.

Aber warum tun wir das?

Weil wir uns nicht hilflos fühlen wollen mit dem Schmerz – ob es der eigene ist oder jener von anderen.
Weil wir glauben irgendetwas mit unserem Schmerz tun zu müssen, obwohl wir ihn einfach nur haben „sollen“ - weil er uns etwas sagt.
Weil wir glauben, etwas nicht aushalten zu können – obwohl wir doch eh so unglaublich viel aushalten!

Ursachen von Schmerz

Es tut weh, wenn

... wir uns nicht gehört oder ernst genommen fühlen,
... wir merken, dass es einem Freund schlecht geht,
... wir länger an etwas dran sind und das Gefühl haben, nichts zu erreichen.

Oder wir machen die immer gleichen Bewegungen, vielleicht seit Jahren, verharren viel und oft in immer gleichen Haltungen (ob jetzt körperlich oder auch geistig), verbiegen uns, verspannen uns, überfordern uns.

Und wenn wir das dann auch nicht spüren wollen und diese schmerzlichen Gefühle unterdrücken – indem wir z.B. wütend werden, jammern oder alles mögliche andere tun, nur nicht hinschauen – dann kreieren wir Abwehrmechanismen, die neue Schmerzen schaffen können. Und es beginnt ein Teufelskreis.
Körperlich verschließen wir uns dann vor unseren schmerzlichen Gefühlen, indem wir etwa den Zwerchfell-Bereich zusammenziehen, wir „machen dicht“, indem wir mit unserem oberen Rücken in Widerstand gehen, wir beißen die Zähne zusammen, weil wir lieber den Mund halten anstatt zu sagen „das tut so weh“ u.v.m.

Mit dem Schmerz umgehen

Wenn wir dem Schmerz also nicht ausweichen können, wäre es nicht sinnvoller, uns ihm dann zu widmen, wenn er da ist? Uns vertrauensvoll an das Fragile und Heftige in uns vorzutasten, um nicht nur Schmerzhaftes sondern auch Neues, Unerwartetes, Freudvolles zu entdecken?

Auch wenn es im Moment des Erlebens - von welchem Schmerz auch immer - schlimm ist, so kann man nach einer Konfrontation z.B. mit Trauer oder Schuldgefühlen nicht nur Erleichterung, sondern auch tiefe Freude oder Dankbarkeit erleben – nicht nur weil diese Trauer oder das Schuldgefühl vergehen, wenn es „da sein durfte“, sondern auch weil man dadurch wirklich freier und leichter wird. Und manchmal auch in gewisser Hinsicht stolz, weil man etwas durchgestanden hat.

Und je öfter wir uns unserem Schmerz stellen, umso mehr werden wir merken, dass es oft auch relativ schnell erledigt sein kann. Immer wieder erlebe ich in meiner Arbeit als Körper-Bewusst-Seins-Trainerin, wie schnell der körperliche (und mit ihm auch der emotionale) Schmerz weniger wird bzw. ganz weg ist. Und meine KlientInnen sind auch immer wieder erstaunt, wenn selbst langanhaltende Schmerzen plötzlich weg sind.

Weg mit dem Schmerz

Die Zeit heilt nicht immer alle Wunden... doch wenn wir Wunden liebevoll versorgen und bewusst annehmen und erleben, können wir frei werden – von altem Schmerz, vergangenen Erlebnissen und auch von unnötigen Abwehrmechanismen, die Energie verbrauchen.

Ganz egal wie lange der Schmerz schon in uns schlummert oder „wach“ ist (uns etwas weh tut): wenn wir ihn nicht mehr verdrängen, klein machen oder z.B. durch Wut und Vorwürfe übertünchen, sondern diesen wahrnehmen, an-erkennen und bewusst spüren, dann kann er vergehen. Denn wir werden in diesem Moment gehört: entweder schenken wir uns selbst Gehör oder teilen das auch mit jemand anderem, vor dem dieser Schmerz einfach da sein darf. Wir können den Schmerz dadurch der Vergangenheit übergeben und lassen ihn nicht weiter in ein manchmal „jahrelanges Jetzt“ wirken.

In diesem Sinne hoffe ich Ihnen Mut gemacht zu haben, sich schmerzlichen Themen vertrauensvoller zuzuwenden.

Wenn Sie dies lieber nicht alleine machen möchten, sondern eine liebevolle Begleitung wünschen, ein aufmerksames Ohr und achtsame Berührung, dann MELDEN SIE SICH für ein unverbindliches Körper-Bewusst-Seins-Training!

Herzlichst,
Agnes Pfeffer