Vom Recht haben wollen und Zuhören

Vom Recht haben wollen und Zuhören

Hab ich nicht Recht?!

Während ich über diesem Text brüte, über die Beweg- und Hinter-Gründe vom Recht haben wollen, begegne ich meiner Angst, dabei selbst rechthaberisch zu sein.

Als ich bei meinen Reflexionen bei einem der möglichen Titel hängen blieb und hinterfragte, ob ich damit nicht auch schon rechthaberisch bin, oder ob ich mit den Fragen am Anfang nicht auch schon Behauptungen aufstelle, die ich durch darauffolgende Argumentationen eben beweisen wollte, bemerkte ich meine Angst vor Fehlern und Unperfektem. Die Angst vorm Ungelösten war auch da – weil ich wieder einmal vom Einen ins Andere kam, vom Hundertsten ins Tausendste.

Durch diese Auseinandersetzung komme ich wieder mal darauf zurück, vor allem Fragen stellen zu wollen. Selbst wenn diese manchmal wie Behauptungen scheinen – ich stelle diese zur Überprüfung einfach in den Raum. Denn ich will ja vor allem anregen, nicht Recht haben.

Recht haben tut weh

Was Rechthaberei meiner Meinung nach tut ist trennen.

Denn wir wissen es so oft besser! … was anderen gut tut, wie andere zu leben haben, wie Kinder erzogen werden oder Politiker handeln sollten.
Anstatt nachzufragen, was sie jeweils dazu bewegt hat.

Wir beharren tagtäglich darauf wie man etwas tut“ (z.B. Geschirrspüler einräumen) oder wie etwas ist“.
Anstatt anzuerkennen, dass es viele verschiedene Herangehensweisen gibt bzw. so viele Wahrnehmungen wie es Menschen gibt.

Verhindert das nicht Kommunikation?

  • Weil wir unbewusst unsere Standpunkte vertreten wollen. Und nicht erkennen, dass es momentane Stand-Punkte sind – von Wissen und Erfahrungen.
  • Weil wir, wenn wir es besser wissen, uns mit anderen vergleichen oder von unseren eigenen Maßstäben ausgehen. Und damit nicht auf Augenhöhe sind.
  • Weil wir gelernt haben, dass das „letzte Wort zu haben“ das Gefühl von Macht verleiht und wir glauben alles kontrollieren zu können. Und nicht anerkennen, dass ein „Ich weiß nicht“ auch Stärke beweisen kann - nämlich Anerkennung, dass es gewisse Ungewissheiten gibt.

Hab ich‘s nicht gesagt?!

Wenn wir Recht haben wollen (bzw. müssen – denn es gleicht ja mehr einem Zwang), sind wir dann nicht im Glauben, dass unsere Meinung die Wahrheit ist? Tun wir dann nicht so als wüssten wir schon alles – über uns, über andere, über die Welt im Allgemeinen?

Ist das nicht anmaßend? Und unglaublich anstrengend?
Und sollten wir uns nicht besser fragen, was wir in der Situation, wo wir uns im Recht wähnen, damit erreichen wollen?

Was wollen wir?

Wenn wir auf unserem Standpunkt beharren wollen wir, glaube ich, vor allem Anerkennung – es geht ums „Gesehen und gehört werden“. Allerdings in einer „unerlösten“ Form von Konkurrenz- und Leistungsdenken, wo wir uns weder unseren eigenen Ängsten und Träumen widmen wollen, noch wirkliches Interesse am anderen haben bzw. am gemeinsamen Wohl.

Ich wünsche mir

... dass wir „einander sehen und hören“ im Sinne von „echter“ Kommunikation und wertschätzender Auseinandersetzung.
... wo es ums „Mitteilen“ geht, um Verständigung bzw. Informations-Austausch.

Wo es darum geht, dass

  • man übers Schwarz-Weiß-Denken hinausgeht, das einfach nicht der Realität entspricht.
  • man die Meinung auch ändern kann – im Sinne von Konrad Adenauers Aussage "Man braucht nicht immer denselben Standpunkt zu vertreten, denn niemand kann einen daran hindern, klüger zu werden."
  • "nichts mehr zu sagen haben" vielleicht einfach bedeutet, dass es gerade nichts mehr zu sagen gibt - weil es um's Fühlen geht, oder alles Platz gehabt hat und wir uns gehört fühlen - selbst wenn es um unterschiedliche Meinungen und Gefühle gibt bzw. keine "Lösung".

Was wollen Sie?

Wollen Sie diese Energie raubenden Kampfsituationen zwischen Rechthaberern und Besserwisserinnen hinter sich lassen und herausfinden, worum es Ihnen und anderen wirklich geht?

Wollen Sie sich und Ihrem Gegenüber einfach lauschen und Meinungen sowie Empfindungen auch mal stehen lassen?

Wollen Sie sich und anderen die Ängste und Ungewissheiten zugestehen und Ungelöstem Gehör schenken? Erkennen und anerkannt werden, wer Sie wirklich sind?

"Als ich aufgehört habe…

… nicht mehr Recht haben zu müssen und zu glaubenes besser zu wissen“

… sondern eine Sprache fand, meine Gedanken und Gefühle auszudrücken ohne sie jemandem aufdrücken zu wollen

… und gelernt hatte zu schweigen

… habe ich so viel an Nähe und Verständnis gewonnen, weil es nicht mehr um einen Kampf gegeneinander ging, sondern um einen Austausch von Sichtweisen und Meinungen.

Auszug aus meinem Gedicht über Glaubenssätze.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Gelassenheit, Geduld und vor allem Neugier - auf sich und auf andere.

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